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International Youth Convention 2007 - Aserbaidschan

You and me in Europe - Young people participation promoting the role of youth organizations

Meine Teilnahme an der International Youth Convention 2007 in Aserbaidschan hatte ich in eine mehrwöchige Reise in die Türkei, Griechenland, Albanien und Italien eingebettet. Kurz vor meiner Abreise hatte ich meine Reiseroute per eMail an mein gesamtes Adressbuch geschickt, in der Hoffnung, dass irgendjemand am selben Tag am selben Ort ist. Tatsächlich hat sich daraufhin ein Teilnehmer der Convention 2006 gemeldet. So kam es, dass ich bereits zwei Tage vor der Anreise in Baku die beiden Teilnehmer aus Tunesien in Istanbul treffen konnte: Haithem, den ich bereits 2006 in Griechenland kennen gelernt hatte und Anis, der später in Gəncə (sprich Gandscha) mein Zimmergenosse war.

Ich beginne meinen Bericht mit der Ankunft am Flughafen von Baku der Hauptstadt des Landes. Der Flughafen ist klein, aber modern und gut klimatisiert, so dass er nichts erahnen lässt, von der desolaten wirtschaftlichen Lage des Landes. Die Visa Angelegenheit ist planmäßig verlaufen, hat aber sehr lange gedauert. Schließlich hatte ich nach etwa einer Stunde mein Visum und mein Gepäck. Mein Empfangskomitee von "Bridge to the Future", der aserbaidschanischen Mitgliedsorganisation von YEU - International, hat in einer Cafeteria im Flughafen zusammen mit einigen anderen Teilnehmern auf mich gewartet.

Als ich das Flughafengebäude erstmals verlassen hatte, stieg mir ein Gestank in die Nase, den ich am ehesten mit einer Mischung aus feucht-warmen Keller, staubigen, alten Polstermöbeln und Benzin beschreiben kann. Die Luft war so heiß und dick, dass man förmlich durch sie schwimmen konnte. In deutschen Gebrauchtwagen sind wir schließlich auf einer gut ausgebauten Autobahn in Richtung Baku aufgebrochen, um vom dortigen Busbahnhof einen Bus nach Gəncə, der zweitgrößten Stadt des Landes, zu nehmen.

Die scheinbar gute Infrastruktur hat mich anfangs verblüfft, sollte sich aber als trügerische Hoffnung erweisen, denn nach 15 Minuten Fahrzeit verwandelte sich die Autobahn in eine staubige Buckelpiste. In diesem Teil der Stadt gab es scheinbar keine Verkehrsregeln. Als wir aber schließlich - uns durch Gegenverkehr wühlend und falsch gerichtet - in eine Einbahnstraße gefahren sind, war ich nicht nur erstaunt, sondern auch etwas nervös. Mit einer Mischung aus Erstaunen und Entsetzen blickte ich rüber zu Simona, der Teilnehmerin aus Litauen, die rechts neben mir saß und sie warf mir einen verständnisvollen blick zu. Ja, wir war in der Wildnis angekommen.

Der Busbahnhof war erfüllt von Leben, überall liefen Menschen umher auf dem staubigen Platz zwischen den immer noch fahrtüchtigen Wracks der Busunternehmer. Es war gewiss der Ideale Ort für Schwarzmarkthandel. Angespannt achtete ich darauf, dass mir niemand zu nahe kommt und behielt die Hände in der Tasche. Mein Reisepass, Portemonaie und mein Mobiltelefon hütete ich wie meinen Augapfel. Extreme nervös wurde ich, als wir unser Gepäck in eines der Wracks stopften und es zurück ließen, um vor der Abfahrt nach Gəncə noch ein Bier zu trinken. Das Bier war wässrig aber genießbar und die Runde war frohen Mutes genug, um die Abfahrt des Busses fast zu verpassen, ist aber nochmal gut gegangen. Nach zwanzig Minuten Fahrtzeit musste Elshan, unser einheimischer Begleiter, jedoch wieder aussteigen, weil er versehentlich den Wohnungsschlüssel seines Bruders eingesteckt hatte und dieser auf der Straße saß. Somit saßen wir alleine in einem fremden Land in einem Bus auf dem Weg in eine Fremde Stadt.

Die Fahrt sollte die ganze Nacht dauern. Der Bus war stickig, dreckig, unbequem und bis auf den letzten Platz befüllt. Draußen wurde es dunkel, so dass das Schaukeln des Fahrzeugs das einzige Feedback von der Außenwelt war. Drinnen spielte laut ein aserbaidschanisches Theaterstück auf dem Fernsehschirm - an Schlafen war nicht zu denken. Später während der Fahrt hat einer der Insassen in der Dunkelheit heimlich einen Joint angezündet, das hat aber selbst die einheimischen Fahrgäste aufgebracht und wurde schnell abgestellt. Teilweise war das Schaukeln so extrem, dass man meinen konnte, wir wären über blanken Acker gefahren. Tiefe Löcher quälten den Bus und ich fragte mich, wie das Fahrzeug das überhaupt aushalten konnte. Als wir schließlich am Morgen in Ganja ankamen, sah ich, dass es ein Merzedes war.

In Gəncə war die Luft atembar, aber immer noch schmutzig. Überwiegend sind die alten sozialistischen Einheitsautos - so nenne ich sie mal - verantwortlich für den Gestank. Gəncə habe ich genau so vorgefunden, wie ich mir eine alte Soviet Metropole stets vorgestellt hatte. Die Straßen waren extrem breit, aber es gab kaum Autos. Die Sowiets hatten große Pläne mit der Stadt, wollten eine Metropole mit breiten Straßen und Hochhäusern errichten. Die Straßen sind fertig geworden, bevor die UDSSR kollabiert ist, die Häuser nicht. Deswegen gab es rechts und links am Straßenrand nur kleine Dorfhäuser mit Hühnerställen.

Die Unterbringung in meiner Gastfamilie war ausgezeichnet. Die Menschen waren westlich orientiert und sprachen gutes Englisch, außerdem gab es bei ihnen gutes Essen. Untergebracht war ich zusammen mit Anis, dem Tunesier, den ich zwei Tage zuvor in Istanbul getroffen hatte und Kerim, einem Türken, ebenfalls aus Istanbul. Nach der langen Reise habe ich mich zunächst erst mal ausgeruht, um anschließend etwas die Umgebung zu erkunden. Zusammen mit Togrul, dem Sohn meiner Gastfamilie und seiner Schwester Könül, habe ich erstmals in Ruhe die Umgebung erkundet. Instinktiv wollte ich etwas Bargeld auftreiben. Togrul zeigte mir einen Geldautomaten, der allen Zweifeln zum Trotz meine EC-Karte akzeptierte und mir einige aserbaidschanische Manats auswarf. Eine EC-Karte der Deutschen Bank funktioniert also auch in Aserbaidschan. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich im Verlauf der gesamten Convention kein Bargeld benötigt hatte und dass ich, weil ich am Tag der Abreise es vergessen hatte es in türkische Lira zu tauschen, fast das gesamte Geld mit zurück nach Istanbul genommen hatte.

Am Abend vor der offiziellen Eröffnung trafen sich die bisher eingetroffenen Teilnehmer zu einem gemeinsamen Abendessen, zu dem auch die Gastfamilien eingeladen waren. Der Ärger, mehr als 50 Leute zu treffen, deren Namen und Nasen man sich unmöglich merken konnte, wurde überstrahlt von der Freude über die vielen bekannten Gesichter. Das sind sicher die Augenblicke, die YEU einzigartig machen. Das Netzwerk ist klein und man begegnet einander mehr als nur ein mal.

Unser Treffpunkt war ein hübsch hergerichteter Garten, in dem einige Mietbungalows standen. Dort verbrachten einige einheimische ihren Urlaub, wir hingegen nutzten dort nur einen großen überdachten Pavillon für unsere Sitzungen und die angegliederte Küche, in der uns das Personal sehr... ähm... durchwachsen bekochte. Das Essen war genauso furchtbar, wie es ausgesehen hat und fast die Hälfte der Teilnehmer hat später Durchfall davon bekommen.

Das Thematische Programm der Convention war jenem aus Griechenland vom letzten Jahr sehr ähnlich. Ich fand es deshalb oft langweilig, oft kindisch und überflüssig. Mit der allgemeinen Partybegeisterung und dem Gruppentumult, der für YEU üblich ist, konnte ich nur schwer warm werden. Die dominanten Spanier waren, wie damals in Griechenland, die großen Stimmungsmacher. Sehr beliebt war es, wenn nach einem Startsignal alle in Reichweite befindlichen Jungs auf ein zuvor ausgewählte Opfer sprangen und es unter sich begruben. "Bollo" nannten sie dieses Spiel, was in diesem Zusammenhang etwa soviel wie "Durcheinander" bedeutet und nicht selten schmerzhaft für das Oper war.

Von seinem kindlichen Spieltrieb geradezu überwältigt, dank seines Humors und nicht zuletzt auch wegen seiner guten Sprachkenntnisse bei vielen Teilnehmern sehr beliebt, war Florian aus Albanien. Ich habe ihn nach der Convention in Albanien besucht. Hier sehen wir ihn zusammen mit Jose Migel, dem Spanier.

Ich suchte eher persönlichen Kontakt zu einzelnen Personen. Von einer Aserbaidschanerin, die ich besonders bemerkenswert fand, möchte ich erzählen. Ihr Name ist Günel und sie war sicher eine der hübschesten Teilnehmerinnen der Convention. Von Anfang an schien sie sehr um mein Wohlergehen besorgt zu sein, suchte das Gespräch mit mir und, was mich anfangs irritierte, berührte mich oft während sie mit mir sprach. Diese Gesten sind aber in diesem Kulturkreis nicht unüblich und haben nichts zu bedeuten. Dass mir Günel näher stand, als jeder anderen Person auf der Convention, schrieb sie mir in einem Abschiedbrief am letzten Tage.

Günels Vater lebte und arbeitete eine Zeit lang in Deutschland. Als sie noch ein junges Mädchen war, verünglückte er bei einem Verkehrsunfall auf einer Autobahn bei Bonn und verstarb noch am Unfallort. Es hat einige Tage gedauert, bis ihr Vater zurück nach Aserbaidschan geflogen und im Kreise ihrer Familie beisetzt werden konnte. Dazu muss man wissen, dass der Zusammenhalt der Familien in Aserbaidschan sehr wichtig ist - ein Punkt, in dem sie sich unserer Kultur überlegen sehen - und der Verlust des Familienoberhauptes fatale Folgen für die Versorgungslage der Familie hat. Ich kann nur erahnen, was sie alles mitmachen musste, als sie mir sagte „If you would know about all what happend to me in my life you would cry with me.“

Seit dem Verlust ihres Vaters ist es ihr größter Wunsch, Deutschland zu besuchen und an den Ort zu gehen, an dem der Unfall passiert ist. Sie spricht weder Deutsch, noch kann sie sich mal eben schnell einen Flug nach Deutschland leisten. Obendrein wäre es für sie hoffnungslos, hier in Deutschland nach dem Ort des Geschehens zu suchen. Durch mich hat sie erstmals die Chance gesehen, dieses Ziel zu verwirklichen. Ich habe ihr meine Hilfe zugesichert, falls sie nach Deutschland kommen sollte, womit ich bei der Convention 2008 rechne.

Leider erzählen nicht alle Menschen von persönlichen Dingen, sondern sind eher verschlossen und somit auch langweilig für mich. Zu einigen Teilnehmern habe ich während der gesamten Convention keinen Kontakt gehabt. Aber das ist bei einer so großen Gruppe sicher nichts Ungewöhnliches. Zum Anderen gibt es ja auch Menschen, bei denen man froh ist, wenn sie einen nicht belästigen.

Ein Highlight unserer drei Tage in Gəncə war sicher die Stadtrally, bei der wir unterwegs Fotos zu fünfzehn gegebenen Themen machen sollten. Dazu wurden wir in Gruppen zu je etwa fünf Personen eingeteilt und sind die wenigen Sehenswürdigkeiten der Stadt abgelaufen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass die Fotos auf einem Fotowettbewerb im Rahmen einer öffentlichen Ausstellung in Baku sogar ins Fernsehen kommen sollten und dass meine Bilder in viele Kategorien den ersten Platz erzielen würden.

Am letzten Tag in Gəncə wurden wir schließlich in die Village Groups unterteilt und haben mit dem eigentlichen Thema „You and me in Europe - Young people participation promoting the role of youth organizations“ begonnen. Neben den üblichen Tumult auf dem Platz zwischen Teezeit, Essen und Sitzung waren an jenem Tag auch Fernsehreporter anwesend, die unser Treffen eifrig filmten und mich schließlich sehr publikumswirksam in die aserbaidschanischen Abendnachrichten brachten.

Zum Abschied von unseren Gastfamilien wurden abends eine traditionelle aserbaidschanische Feier organisiert, zu der auch diverse Amtsträger des Regiems um den Diktator İlham Heydər oğlu Əliyev eingeladen waren. Auf einem schlecht vorbereiteten und somit eher peinlich anmutenden Vortrag präsentierte Könül das Land am kaspischen Meer, auf das dessen Bewohner voller Stolz blicken. So sind sie auch beim Anblick ihrer Landesflagge aufgestanden und haben laut applaudiert. Später auf der Feier herrschte eine ausgelassene Stimmung. Während die meisten nur auf der Tanzfläche die einheimischen Tänze ausprobierten, nahm ich mir Zeit, mich von den Personen zu verabschieden, die mir wichtig waren.

Meine Wahl, das Wort Diktator zu gebrauchen, ist nicht zufällig. In der Wikipedia lesen wir über Aserbaidschan: "Seit der Unabhängigkeit Aserbaidschans verlief außer der Präsidentenwahl 1992, aus der Əbülfəz Elçibəy als Sieger hervorging, jede Wahl undemokratisch. Der Oppositionspolitiker Qabil Hüseynli bezeichnet Aserbaidschan als "halbfeudal, von Clans und der Mafia beherrscht". Neun der zehn reichsten Männer des Landes sind Mitglieder der Regierung. Unter ihnen ist auch der Polizei- und der Zoll-Chef." Tatsächlich ist der Regierungschef der Sohn seines Amtsvorgängers Heydər Əliyev, einem Lakaien Breschnews, der von 1982 bis 1987 Mitglied des Politbüros der KPdSU und Erster Stellvertrender Ministerpräsident der UdSSR gewesen ist. Doch zurück zur Convention.

Für die Reise nach Qəbələ (sprich Gabala) am nächsten Morgen hatten wir einen eigenen Bus gemietet. Unterwegs besichtigten wir die Residenz eines unbedeutenden historischen Aserbaidschanischen Fürsten, seinen Namen habe ich vergessen oder noch nie gewusst. Ich konnte mich für den Bau nicht wirklich begeistern, hatte den Eindruck, jede deutsche Kleinstadt hat interessantere Bauten, als diese Villa. Viel interessanter fand ich die ersten Ausläufer des südlichen Kaukasus, durch die wir uns mittlerweile bewegten. Als wir schließlich Qəbələ erreichten, waren wir mitten in den Bergen. Ich war einer der wenigen, die von der großen Radarstation wussten, die von den Sowiets dort erbaut worden war und die kürzliche eine Offerte der Russen an die Amerikaner zur Beilegung des Streits um den Raketenabwehrschild in Polen gewesen ist. Schon aus dem Bus heraus konnte man das beeindruckende Riesengebäude am Horizont stehen sehen. Auch von der großen Entfernung sah es gigantisch aus. Bei Qəbələ bezogen wir Quartier in einem Freizeitlager mit Bungalows am Waldrand. Von dort aus konnte man die Radarstation sehen, allerdings war die Sicht nicht so gut, wie man auf dem Foto sieht.

Das Waldcamp haben wir nicht oft verlassen. Hauptsächlich haben wir in den Village Groups am Thema gearbeitet und das kulturelle Programm beschränkte sich auf nur einen Besuch in der Stadt Qəbələ, dort gab es ohnehin nicht viel zu sehen. Hier zeigte sich, wie zäh die YEU Teilnehmer wirklich sind und wo ihre Grenzen sind. Jeden Abend haben sie bis nach Mitternacht gefeiert aber die magelhaften hygenischen Verhältnisse haben zum Teil den stärksten in die Knie gezwungen. Das Essen im Waldcamp war für uns Europäer sehr gewöhnungsbedürftig. Häufige Stromausfälle haben den Kühlschrank lahm gelegt und das Essen ist warm geworden. Ich glaube kaum, dass die Köche das Fleisch daraufhin weggeworfen haben, es kam auf den Tisch. Es hat nicht nur furchtbar geschmeckt, sondern bei nahezu jedem von uns Durchfall verursacht. Meine Medikamente, die ich vorsorglich mitgenommen hatte, fanden reißenden Absatz. Eines morgens bin ich alleine in die Stadt gegangen, um mich mit Nahrung einzudecken, weil ich von unserem Essen die Nase voll hatte. Aber dieses Land ist ein Fluch. Es gibt einfach keine Supermärkte, nur kleine „Tante Emma Läden“ hinter deren Theken mich eine erstaunte alte Dame anguckte, wie man nur gucken kann, wenn man das erste Mal in seinem Leben einen Mann mit langen blonden Locken gesehen hat.

Ein Highlight im Waldcamp war die obligatorische Nachtwanderung, bei der wir mehrere Checkpunkte ablaufen mussten und an jedem Stop den Fetzen einer Karte erhielten, die uns schließlich zum Ziel führen sollte. Unsere Gruppe war schlecht koordiniert und wir haben uns erwartungsgemäß verlaufen. Wie das so üblich ist, haben einige ungefragt die Gruppenführung übernommen und uns prompt in ein Rudel wilder Hunde geführt. Wir waren aber zahlenmäßig überlegen und mit unseren Taschenlampen haben wir die Hunde wohl verschreckt. Jedenfalls haben die sie zwar laut gebellt, aber nicht angegriffen. Schließlich haben wir mit zwei Stunden Verspätung doch noch die Wanderung beendet und sind wohlbehalten heimgekehrt.

Trotz der oftmals lausigen Umstände in dem Waldcamp war unsere Zeit in Qəbələ der Höhepunkt der Convention. Wir dachten alle, dass die Unterbringung nicht schlechter werden könnte, aber als wir gegen Ende in Baku waren, haben wir uns alle das schnuckelige Waldcamp zurück gewünscht, von dem wir nach fünf Tagen in drei Minibussen aufgebrochen sind. Unser Gepäck hatten wir auf dem Dach der Fahrzeuge verschnürrt, dann ging es los mit Tempo 100 über die Buckelpisten Richtung Baku. Ich kann nur sagen, die Aserbaidschanis fahren wie die Henker. Riskante Überholmanöver in klapprigen Fahrzeugen auf zu engen Straßen haben mir das Herz in die Hose rutschen lassen: Ich habe eine scheiß Angst gehabt und war heilfroh, als die Straßenverhältnisse in den Bergen bald nur noch Lauftempo zuließen. Unser Ziel war ein kleines Dorf in den Bergen, welches sich wegen seiner Abgeschiedenheit kulturell einzigartig entwickelt hat. Dort sprachen die Menschen sogar eine eigene Sprache. Dennoch haben Coca Cola und Snickers auch hier in dem kleinen Dorfladen Einzug erhalten. Große Freude hat mir die Begegnung mit zwei Schweizern gemacht, ein Pärchen, das mit Rucksack unterwegs nach Indien war und in diesem Dorf, dessen Namen ich vergessen habe, Halt gemacht hatte.

Wie unterschiedlich die Auffassungen von Geschäft und Gastfreundschaft in Aserbaidschan sind, wurde mir klar, als wir am Ende des Tages in Baku ankamen und in ein Hotel eincheckten, das für 40 Dollar pro Person pro Nacht eine katastrophal heruntergekomme, baufällige und schmutzige Unterkunft bot. Die Wände waren feucht und von den Klimaanlagen tropfte das Wasser. Mücken wohnen in dem Hotel und die Luft stank nach warmen, moderigen Keller. In keinem Land Europas wird man für so viel Geld in eine derartig schmutziges Loch einquartiert. Hinzu kam der Gestank draußen, der so stark war, dass er Übelkeit hervorrufen konnte - an der Küste des kaspischen Meeres wohlgemerkt. Die schmutzigsten Ölraffinerien des Landes konnten nicht weit sein. An die Hitze und den Gestank konnte man sich gewöhnen, aber den Mücken war nicht her zu werden. Ich hatte ein extrem starkes Insektenrepellent und mich am ganzen Körper eingecremt, dennoch wachte ich zweimal morgens mit entstelltem Gesicht auf. Meine gute Stimmung war dementsprechend, ich empfand es als Beleidigung, in diesem Hotel wohnen zu müssen. Zu den aserbaidschanischen Mücken sei noch erwähnt, dass ihre Stiche größere Beulen hervorrufen als unsere einheimischen Mücken die dafür aber nach wenigen Stunden bereits wieder abschwellen und verschwinden. Zu allem Überfluss habe ich in den letzten beiden Tagen noch Halsschmerzen bekommen.

Die Tage in dem Hotel habe ich nur noch sehnlich darauf gewartet bis die Convention zu Ende ging und ich in dem Flieger zurück nach Istanbul sitze. Die Village Groups waren für mich nur noch eine lästige Pflichtveranstaltung, mir war die Gebetsmühlenpredigten von Menschenrechten, Freiheit und Demokratie sehr zuwider. Ich bin nur noch zu den Arbeitsgruppen gegangen, weil sie im einzigen klimatisierten Raum des Hotels statt fanden und dort die Luft etwas weniger stank. An konkrete Inhalte kann ich mich nicht mehr erinnern, vermutlich gab es keine.

Interessant und langweilig zugleich war eine Diskussionsrunde mit Vertretern der Ministeriums für Jugend und Sport, welches unsere Convention gesponsort und somit erst ermöglicht hat. Dort wurde recht unzensiert über die Menschenrechtslage, insbesondere die Diskriminierung der Frauen und Homosexuellen in Aserbaidschan gesprochen. Inhaltlich hatte diese Runde aber nichts neues zutage gefördert und mich zutiefst gelangweilt.

Der einzige noch interessante Programmpunkt war ein Tag in der Innenstadt von Baku. Das Erstaunen ist doch recht groß, wenn man aus dem Gewühl kleiner Dorfstraßen der Randbezirke ins Zentrum kommt und scheinbar eine ganz normale Metropole vorfindet. In der Tat konnte man dem Stadtzentrum nichts von dem herunter gekommenen Land ansehen, in dem die Stadt liegt. Selbst McDonalds hat es in diesen Fleck der Erde verschlagen. Auch wenn ich kein großer Freund von Fast Food bin, nach zwei Wochen gummihartem Fladenbrot und Gammelfleisch ist ein Big Mac eine Delikatesse. Dass es in diesem Land aber auch anders geht bewies ein sehr gelungenes Abendessen in einem noblen Restaurant am selben Abend. Dieser Tag hat etwas wett gemacht von dem negativen Gesamteindruck, den Aserbaidschan bei mir hinterlassen hat. Das Ändert aber nichts daran, dass ich heilfroh war, als die Convention endlich vorbei war.

Mein Abreisetermin war einer der letzten, so musste ich ausharren bis auch die letzten Teilnehmer das Land verlassen hatten. Ich hatte aber Glück denn meine Gastfamillie hat ihren Hauptwohnsitz in Baku und hat mich für den letzten Tag nochmal bei sich aufgenommen. Dort erfuhr ich ganz überrascht, dass der iranische Präsident Ahmadinedschad sich zur selben Zeit zu einem Staatsbesuch in Baku aufhielt und das Land nur wenige Stunden vor mir verlassen hatte. Ich habe an ihm aber gewiss nichts versäumt.

Am Flughafen verließen mich schließlich alle meine Begleiter außer Marco, der Vizepräsident von YEU - International aus Serbien. Während wir auf den verspäteten Flieger warteten tranken wir noch eine Tasse Tee und teilten uns die letzten Schmerzmittel, die für uns beide in den letzten Tagen die besten Freunde geworden waren. Schließlich fand auch das Warten ein Ende und der Flieger von Turkish Airlines hob ab in Richtung Türkei, ein Stück näher an die Heimat, die ich vier Wochen später endlich wieder sehen durfte. Bis dahin verbrachte ich noch eine Woche in Ankara bei der Teilnehmerin Isil und ihrer Familie, eine Woche in Istanbul bei Kerim, eine Woche in Albanien bei Florian und zuletzt eine Woche in Italien in einem Kloster nahe bei Bari. Alle diese Aufenthalte waren Besuche bei Freunden, die ich in entweder in Aserbaidschan oder auf der Convention 2006 in Griechenland kennen gelernt hatte. Auf den weiteren Verlauf der Reise gehe ich hier nicht ein, er hat mit der Convention nichts zu tun. Ich möchte aber nicht unerwähnt lassen, dass ich stets bei YEU Mitgliedern Unterkunft und Verpflegung gefunden habe und schon allein das ein Grund ist, um bei uns einmal an einem internationalen Jugendaustausch teilzunehmen.

Eine abschließende Bewertung der Convention in Aserbaidschan zu finden ist nicht leicht. Dem Leser ist sicher nicht entgangen, dass ich mich mit dem Zuständen in diesem Land zuweilen doch sehr herumgeärgert habe. Aber das lasse ich in der Bewertung mal außen vor, denn nichts anderes hat man zu erwarten, wenn man so eine Gegend bereist. Wie könnte man erwarten, im mittleren Osten die selben sterilen Verhältnisse vorzufinden wie hier in Deutschland? Für mich war es eher die Abenteuerlust, die mich gepackt hat. Ich wollte raus in die Wildnis und als ich im Bus nach Gəncə saß und die Schlaglöcher den Bus durchschüttelten, war ich so weit weg von meiner Heimat, wie noch nie zuvor. Das waren die Momente, die ich suchte. Ich fand, es war eine sehr interessante Erfahrung und ich würde sie jedem empfehlen, auch wenn ich selbst nicht das Verlangen habe nochmal dort hin zu reisen. Dem Veranstalter muss man zugute halten, dass der Europarat im damaligen Jahr die Fördermittel für die Convention nicht bewilligt hatte und es deswegen lange Zeit fraglich war, ob die Convention überhaupt stattfinden wird. Angesichts der großen Schwierigkeiten, die vor Ort herrschten und des schmalen Budgets ist die Convention eine gelungene Veranstaltung. Wenn wir es im nächsten Jahr besser machen, liegt das nur daran, dass wir keine Schwierigkeiten beim Einwerben von Finanzmitteln haben, unser Land eine moderne Infrastruktur bietet und Gammelfleisch bei uns früher oder später zu einem Medienskandal führt. Ich erhoffe mir aber, dass unsere Convention thematisch etwas anspruchsvoller wird, denn den thematischen Bereich der Convention habe ich nicht zuletzt deshalb ausgeblendet, weil er sich zu oft auf Kindergartenniveau bewegt hat.

Martin hat geschrieben


Report of the International Youth Convention -"You and me in Europe - Young people participation promoting the role of youth organizations" - Azerbaijan, 2007

It was five years ago that I last attended an international YEU event - the Convention in Poland in 2002. This year I returned to YEU to attend the International Youth Convention in Azerbaijan.

Instead of writing a daily report of the activities and a detailed description of the event, I will describe two observations which, in my opinion, make international youth events so beautiful and special.

The first observation concerns the way international youth exchanges can affect people's life. I met two people again from the Convention in Poland. While they were simple participants and new to YEU five years ago, they are now among the senior and leading members of the organisation. During the years they have gained an extensive knowledge on different European cultures and an impressive understanding of European Youth Policy. Their English has become perfect, and their communication as well as leadership skills have developed strongly. I have frequently witnessed this stunning transformation of young people who are willing to participate and organise international youth events; to invest time and efforts into them. Participating in youth exchanges can not only be personally fulfilling, but can also of great personal benefit.

The second observation concerns the relationships and friendships which are formed during international youth events. I am still in touch with some of the many interesting and amazing people who I met in Poland five years ago. Over the years, these people have grown to become friends I feel very close to despite the distance which separates us. I still enjoy thinking of the private encounters which we had after the first meetings at the Convention - the traditional food festival in Oporto, the exploration of the Algarve and the all night parties in Thessaloniki. I am sure that some of the people I met in Azerbaijan will gain a similar importance in my life.

Among other aspects, these two things have demonstrated to me again, many years after my last participation, how wonderful and personally enriching the attendance at international youth events can be.

 

Le Tu Duc


© 2008 Youth for Exchange and Unity